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Borussia heute




Au|to|ma|tis|mus, der; – , ...men [griechisch automatismós = was von selbst geschieht]; spontan ablaufender Vorgang [...], der nicht vom Bewusstsein oder Willen beeinflusst wird

Längst hat’ s ihn also erwischt, und fast schon ist er vergessen, unser guter Jos. Ja, Ihr erinnert Euch? Unser Ex-Trainer, der mit der markant großflächigen Oberlippe und dem entsprechend proportionierten ‚Schnorres’ drauf. Nach sechs Niederlagen in sieben Spielen, spätestens aber mit der im Derby gegen den FC, war sein Schicksal besiegelt – quasi automatisch eben, und bei aller eventuell vorhandenen Sympathie: So ist nun mal das Geschäft...

Genauso automatisiert laufen üblicherweise die Geschehnisse nach einer solchen Trainerentlassung ab: Allseits wird reichlich spekuliert, die Namen der üblichen Verdächtigen werden in den üblichen Medien von den üblichen Experten rauf und runter gebetet. Die einzigen, die sich vornehm zurück hielten, waren – wie üblich – „16vor“ und „Schuth’s Corner“.

Automatisch aber steht auch der wahre Nachfolger schon längst in den Startlöchern, weil die Verantwortlichen natürlich damit gerechnet haben, dass das mit dem ominösen Schicksalsspiel mächtig schief gehen könnte, und der Trainer hernach nicht mehr tragbar sein würde. Was man zunächst vielleicht für die sympathische, Gladbach-eigene – Böswillige würden es „unprofessionell“ nennen – Art, mit der die Situation gehandhabt wurde, hätte halten mögen, war tatsächlich wohl eine abgekartete Sache, ein gigantischer Medien-Coup, der zwei volle Wochen lang der Fachpresse vermeintlich Berichtenswertes bescherte. Und das aus der niederrheinischen Fußball-Provinz!

Christian Ziege als Interimstrainer und – ganz multi-tasking-fähig – gleichzeitig als Sportdirektor und Chef-Trainersucher. Dies natürlich alles in bester Teamarbeit mit Steffen Korrell und Max Eberl, bis dass der Richtige gefunden ist. Großartig! Eines neuen Denkmals in Eicken würdig! Gut, dass Ziege das Spiel in Bochum nicht gewonnen hat, sonst hätte Hans „Dampflok“ (kicker) Meyer jetzt einen ganz schweren Stand, wenn’s nicht von Anfang an rund läuft mit seiner Rettungs-Mission beim „Kellerkind“ (kicker).

Vorbei mit den Automatismen: Nun gibt’s stattdessen ein originelles, munteres Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen: Ziege wird Meyers Co, sein Co, (nein, nicht Stefan sondern) Jürgen Raab, wird Co-Co, Eberl wird Sportdirektor, Korell bleibt Team-Manager (glaub’ ich). Gladbach hat die Zeichen der Zeit erkannt! DFBeske oder gar bayrische Züge nimmt das ja an; die wahren Erben von Uli Hoeneß und die besseren Bierhoffs und Sammers sind da am Start!

Und in den Genuss all dessen kommen wir nur, weil Hans Meyer der Borussia nicht gleich öffentlich zusagen konnte, da er ja mit Roths Clubberern noch den ein oder anderen arbeitsgerichtlichen Tjosten durchzustehen hatte. Wer verzichtet schon gerne auf eine deftige Abfindung? Ich gönne dem Mann die Kohle, schließlich musste der Ärmste, bevor er jetzt zum zweiten Male zu uns kommen durfte, Ewigkeiten Carl Zeiss Jena trainieren und dann auch noch Enschede in Holland. Und so schließt sich – automatisch – der Kreis: 

„Harteleijk bedankt, Jos“ und „Macht et joot, Hennes!“ (bitte!)        Eure Legende

 

klas|sisch|e Fehl|start, der

Es sah schon ganz danach aus, nach den ersten beiden Spieltagen, mit einer Ausbeute von null Punkten und nur einem mickrigen Törchen bei der Auftakt-Heimniederlage gegen Stuttgart. Dann auch noch der ganz schwache Auftritt in Hoffenmannheim – schon regte sich allenthalben Unmut, und nicht wenige stellten bereits die ominöse ‚T-Frage’.

Hey, da bin ich aber froh, dass ganz wider Erwarten gegen Bremen gleich der erste Dreier glückte, und dies auch noch in recht überzeugender Manier. Ich hätte es mir ja nicht verziehen, wenn der Trainer gefeuert worden wäre, bevor ich die erste Kolumne der Saison zustande bringe.

Sicher, eigentlich sollte spätestens zum ersten Spieltag die Zeit der Experimente vorbei sein – dafür ist die Vorbereitung schließlich da – aber Jos hatte ja angekündigt, dass Kader und Startaufstellung von Partie zu Partie anders aussehen werden, ja, müssen.

Gegen Stuttgart sind wir nach dem frühen Rückstand schön ins offene Konter-Messer gelaufen, aber wenn Rob Friend nicht erst die letzte von vier Hundertprozentigen, sondern gleich die erste rein macht, kann das auch positiver ausgehen, als es letztlich gegen abgezockte Schwaben der Fall war. Die Leistung gegen die ‚sympathischen’ Hopp-Millionarios hingegen war indiskutabel; das taktisch-personelle Konzept ging eben nicht auf. Ganz anders dann zu Hause gegen die als übermächtig eingeschätzten Bremer: Das war über weite Strecken klasse! Zum Schluss wurde es noch einmal ganz eng – nicht weiter verwunderlich, denn dass die Bremer jederzeit reichlich Tore schießen können, auch wenn sie hinten nicht immer sicher stehen, wissen wir nicht erst seit gestern. Es hat aber hingehauen, und das brachte/bringt – abgesehnen von den ungelegen kommenden Länderspielabstellungen – hoffentlich erst mal die erforderliche Ruhe zum Arbeiten.

Es ist davon auszugehen, dass sich die gesamte Spielzeit so oder so ähnlich gestalten wird – mit vielen Auf und Abs, wenig Konstanz, und vor allem, dass auch bei ansprechender Leistung nicht unbedingt immer etwas Zählbares herauskommt. Es rechnet ja wohl hoffentlich niemand ernsthaft mit einer Siegesserie wie ab dem vierten Spieltag der vergangenen Saison…

Herrschaften, wir spielen jetzt wieder in Liga 1, und deswegen lohnt es sich vielleicht doch, die Kirche im Dorf zu lassen und nicht gleich des Trainers Kopf zu fordern. Bedenket, was uns blühen könnte, wenn wir unseren guten Luhukay in die Wüste schicken – siehe Eintracht Trier!

Mahnt Eure Legende

 

 

 

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